Viele Reisende, die wir weiter im Süden getroffen haben,
schwärmten von Kolumbien. Und tatsächlich, der Unterschied zu Venezuela war
deutlich: Die Leute waren freundlich, neugierig, hilfsbereit und lachten viel. Wir
hatten den Eindruck, alles sei sauber und gepflegt, vor allem die weissen
Kolonialbauten mit den geschnitzten Holzbalkonen und roten Ziegeldächern. Schluss
war aber auch mit dem sozusagen „Gratisdiesel“ von Venezuela - in Kolumbien
kostete der Liter Diesel wieder rund einen Franken. Und alle …zig Kilometer
waren happige Strassengebühren zu bezahlen. Kolumbien ist für Reisende viel
sicherer geworden, denn Militär- und Polizeikräfte sind allgegenwärtig. Trotzdem
machen die FARC und andere Guerillagruppen den Kolumbianern das Leben schwer.
Immer wieder gibt es Überfälle und Entführungen. Touristen sind aber selten
betroffen. Das heisst aber auch, dass man entlegene Gebiete und Nachtfahrten
meiden soll. Wir informierten uns jeweils bei Polizei, Militär und
Einheimischen über die Sicherheitslage. Bis jetzt Glück gehabt…
Von Cúcuta fuhren wir nach Pamplona, einer alten
Universitätsstadt in den Bergen Kolumbiens. Anschliessend wählten wir eine
landschaftlich schöne Route über Malaga und Sogamoso zur Laguna de Tota. Auf
über dreitausend Metern werden hier überall Zwiebeln angebaut. Nach über 50‘000
km hatten wir in dieser Gegend den ersten Platten. Es reichte aber noch bis zur
nächsten Werkstatt, sodass der Wagenheber noch nicht zum Einsatz kam. Weiter
ging’s nach Villa de Leyva, einer Kolonialstadt wie aus dem Bilderbuch. Hier
gefiel es uns so gut, dass wir zehn Tage auf zwei verschiedenen Campingplätzen
stecken blieben. Nach längerer Zeit trafen wir wieder Laura und Heiri aus
Steffisburg sowie andere Reisende aus Europa. Kolumbien liegt halt an der
Nord-Süd- oder Süd-Nord-Strecke. Wieder allein, fuhren wir vom trockenen Villa
de Leyva zum im Grünen gelegenen Stausee Neusa.
Auf dem Weg nach Bogotá besuchten wir die unterirdische
Salzkathedrale in Zipaquirá – 180 m unter der Erde. Sie entstand in den Jahren
1992 bis 1995 und umfasst 8500 m2. Riesige Mengen Gestein und Salz
wurden ausgebaut. Alles ist aus Salz, viele Kreuze und sogar das Taufbecken,
wir haben’s probiert!
Mutig und ohne GPS steuerten wir auf die
8-Millionen-Stadt Bogotá zu. Diese Riesenstadt besitzt keine U-Bahn, dafür eine
exklusive Buslinie – TransMilenio genannt – welche durch die ganze Stadt führt.
Wir folgten dieser Busstrecke und gelangten so problemlos ins Zentrum und zur
attraktiven Altstadt La Candelaria. Das Wohnmobil blieb auf einem bewachten
Parkplatz in der Nähe unseres Hostals Platypus. Zu Fuss erkundeten wir während
drei Tagen die Sehenswürdigkeiten, schlenderten durch die kolonialen Gassen der
Altstadt und stiegen auf den Cerro Monserrate, von wo aus man eine herrliche
Rundsicht auf die riesige Stadt hatte.
Nach der turbulenten Grossstadt in den Bergen zog es uns
in die heisse und stille Tatacoa-Wüste in der Nähe von Neiva im Tal des Rio Magdalena.
Die Wüste besteht aus welligem, rotbraun gefärbtem Land, in das die Erosion
bizarre Canyons gefressen hat. Überraschenderweise gab es mitten in der Wüste zur
Erfrischung ein kleines Bad, gespeist von einer kühlen Wasserquelle. Weiter
oben im Tal des Rio Magdalena liegt San Agustin. Hier befindet sich eine der
bedeutendsten archäologischen Fundstätte Südamerikas (UNESCO-Weltkulturerbe).
Indianer aus der vorkolumbianischen Zeit schufen Hunderte aus Lavastein und
Basalt gehauene Statuen und Grabstätten. Heute baut die indianische
Landbevölkerung in diesem grünen Hügelgebiet Kaffee, Bananen, Maniok, Mais und
Zuckerrohr an. Wir genossen das angenehme Klima auf dem gemütlichen Camping
Gamecelat, welcher mit einem grossen Holzofen zum Backen einlud und von wo wir eine
schöne Tour zu Pferd unternahmen.
Bei sonnigem Wetter fuhren wir weiter südwärts nach Mocoa
und dann nach Lago Agrio in Ecuador. Polizei, Militär und Einheimische hatten
keine Bedenken betreffend Sicherheit. Und tatsächlich gab es keine Probleme mit
Guerillas. Die Strecke in der sanften Hügellandschaft hat uns sehr gut
gefallen. Zwischen Santa Ana und bis etwas südlich von Orito (ca. 50 km) war
eine miserable Schotterpiste zu bewältigen. Von Orito bis an die Grenze
Ecuadors gab es aber eine neue betonierte Strasse, die fast fertig war.
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