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Donnerstag, 2. Juni 2011

Provinz Misiones

Die Provinz Misiones ragt wie eine Halbinsel weit in Brasilien und Paraguay hinein. In der leicht hügeligen Landschaft gibt es unberührten Urwald, ziegelrote Erde und tosende Wasserfälle. Bekannt ist die Region durch die Ruinen der Jesuitenreduktionen. Im 17. Jahrhundert gründeten die Jesuiten Siedlungen, Reduktionen genannt, und bildeten mit den Guaraní-Indianern eine erfolgreiche und eigenartige Kollektivwirtschaft. 1767 wurden die Jesuiten von den Spaniern verbannt und die Siedlungen zerstört. Heute sind mehrere solche Reduktionen von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Bevor wir zu den ganz grossen Wasserfällen kamen, machten wir einen Abstecher zu den Saltos del Moconá, die als die längsten Längswasserfälle der Welt gelten. An einer rund drei Kilometer langen Kante stürzt der Rio Uruguay seitlich etliche Meter in die Tiefe. Die neue Höhenstrasse von Soberbio nach Moconá ermöglichte eine fantastische Aussicht auf den Urwald und den Flusslauf. Man weiss allerdings nie so ganz, ob die alten Transportmittel mit Ochsenkarren und die einfachen Holzhäusern der Lebensart dieser Urbewohner entsprechen oder ob die heutige Technik noch nicht angekommen ist. Allerdings sind Mobiltelefone auch hier weit verbreitet!

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Samstag, 21. Mai 2011

Abschied von Uruguay

Eigentlich wollten wir Uruguay in nordwestlicher Richtung rasch durchqueren. Aber immer wieder stiessen wir auf interessante und schöne Orte. Und dann blieben wir halt meistens ein paar Tage: Quebrada de los Cuervos, Vallee Edén, Termas Guaviyu und Bella Union. Beim Thermalbad Guaviyu trafen wir auf Helmut und Ingrid aus Deutschland. Sie sind mit ihrem Castillo verde bereits seit sechs Jahren in Südamerika unterwegs und denken überhaupt noch nicht ans Aufhören mit ihren bald siebzig Jahren. Da müssen wir ja nicht so pressieren und können die Reise ruhig angehen! Nume nöd jufle…

Nach über einem Monat in Uruguay verliessen wir bei Bella Union das Land mit vielen schönen Erinnerungen – ein kleines Land mit sehr gastfreundlichen Leuten. Weiter gings achtzig Kilometer durch Brasilien und noch am gleichen Tag überquerten wir die Grenze nach Argentinien. 

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Samstag, 14. Mai 2011

Drei Generationen Schweizer in Uruguay

Vom WIFI an der ANCAP-Tankstelle profitierend, waren wir konzentriert mit der Aktualisierung unseres Blogs beschäftigt, als uns Eduard Huber auf Deutsch ansprach. Nur er und sein 91-jähriger Vater würden in Treinta y Tres Deutsch sprechen. Er hatte uns am kleinen Schweizerkreuzkleber am Wohnmobil erkannt. Sein Vater sei 1947 von der Schweiz nach Uruguay ausgewandert und habe später einen Bauernhof erworben. Die Mutter von Eduard stammte aus Deutschland. Deshalb wurde in der Familie viel Deutsch gesprochen. Eduard lud uns spontan ein, ihn und seine Familie zu besuchen. Sie betreiben die einzige Milchfarm in der Region mit 200 Kühen auf rund 300 Hektaren Land. Der momentane Milchpreis mit 40 Cents (U$) sei sehr gut. Sein Sohn Hermann studiert Agronomie in Montevideo und geht demnächst als Praktikant nach Neuseeland. Der Grossvater lebt selbständig in seinem eigenen Haus im hinteren Teil der Farm. Trotzdem ist er über das Weltgeschehen bestens informiert. Er stehe jeden Tag um fünf Uhr auf und lese zuerst die Online-News der Neuen Zürcher Zeitung und Tagesanzeiger im Internet (im Alter von achtzig Jahren erlernt). In reinem Zürcher Dialekt – obwohl er nie mehr in der Schweiz war – berichtete er uns aus seinem interessanten Leben. Typisch für diese kühlere Jahreszeit sei das langsam brennende Eukalyptusholz im Cheminée, das erst im Frühjahr wieder verlöschen werde. In diesem Umfeld und dem weitem Blick über das Land geniesst er zufrieden den Lebensabend. Zum Abschied gab er uns noch ein paar gute Weisheiten mit auf die Reise. 

Samstag, 7. Mai 2011

Treinta y Tres – die Heldenstadt

Kurz vor der brasilianischen Grenze verliessen wir das Küstengebiet und der Weg führte uns auf 70 Kilometern über eine relativ gute Naturstrasse nach Lascano. Schon bald stiessen wir auf echte Gauchos mit ihren Viehherden. Viele Vögel, Nandus (ein straussähnlicher Vogel) und sogar Rehe veranlassten uns zum Anhalten. Auf diesem riesigen, flachen Weide- und Getreidegebiet hat es anscheinend Raum für alle. Weiter geht’s auf geteerten Strassen nach Treinta y Tres, die nach den dreiunddreissig Helden benannt ist, die für die Unabhängigkeit Uruguays gekämpft haben. Im örtlichen Park am Rio Olimar ist der Camping sogar gratis. Leider verpassten wir das bekannte Folklorefestival, das jedes Jahr in der Osterwoche stattfindet. Noch waren die Temperaturen am Tag über zwanzig Grad warm und wir unternahmen hier den ersten Ausflug mit unserem weit gereisten Kajak auf dem viel besungenen Rio Olimar.

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Parque Nacional de Santa Teresa

Nach fast einer Woche verliessen wir Montevideo bei Regen in östlicher Richtung. Nur kurz hielten wir in Punta del Este an, dem nobelsten Ferienort der Reichen und Schönen Südamerikas. Weiter reisten wir der Atlantikküste mit endlosen Sandstränden und Lagunen entlang. Die Ortschaften wurden immer kleiner und ruhiger. In Punta del Diablo übernachteten wir auf dem Dorfplatz des reizvollen Fischerortes. Nur ein paar Kilometer weiter stiessen wir am nächsten Tag auf den Parque Nacional de Santa Teresa. In diesem schönen Park am Meer befindet sich der grösste Camping von Uruguay. Zu dieser Jahreszeit übernachteten aber nur noch Einzelne zwischen den riesigen Eukalyptusbäumen und Palmen. Viele grüne Papageien und andere Vögel sorgten für die spannende Unterhaltung in diesen vier Tagen. Die einsamen Strände luden uns zum Walken ein. In der nahe gelegenen Laguna Negra schien das Wasser tatsächlich schwarz und der weisse Sand ergab ein krasser Kontrast dazu.

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Dienstag, 26. April 2011

Uruguay - der kleine Nachbar

Auf Uruguay hatten wir uns kaum vorbereitet. Nicht einmal einen Reiseführer kauften wir in der Schweiz. Aber bis jetzt hat sich der Umweg mehr als gelohnt. Die Grenzformalitäten nach der Puerto internacional bei Fray Bentons verlief unkompliziert und sehr freundlich. Auf der Fahrt nach Colonia del Sacramento begegeneten wir überall Mähdrescher und Getreidelastwagen. Wieder einmal ein Hinweis, dass es Herbst geworden ist. Auf dem Weg nach Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay, machten wir einen Abstecher nach Nueva Helvecia - Colonia Suiza. 1862 gründeten Schweizer, Deutsche und Österreicher diesen Ort. Schweizer Kantonswappen an den Häusern und Strassennamen begegnet man überall. Aber Schweizerdeutsch hörten wir nicht mehr! In Parkanlagen am 22 Kilometer langen Strand von Montevideo und in der Altstadt verbrachten wir einige interessante Tage. Da anscheinend die Dieselqualität in Südamerika zu wünschen übrig lässt und oft Wasser enthält, liessen wir hier von Fachleuten einen Wasserabscheider einbauen.

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Dienstag, 19. April 2011

San Antonio de Areco

Knapp 120 Kilometer westlich von Buenos Aires liegt San Antonio de Areco. Ernesto hat uns den Tipp gegeben. Er sprach uns in perfektem Deutsch auf dem Parkplatz in Buenos Aires an. Ihn interessierte zwar vor allem unser Camper, da er früher in der Autobranche arbeitete, aber dann zum Tourismus wechselte. Seine Eltern flohen vor dem zweiten Weltkrieg aus dem Sudetenland und landeten in Bolivien und später in Argentinien. In San Antonio de Areco wird die Gauchokultur besonders gepflegt. Dies ist auf den Schriftsteller Ricardo Güiraldes zurückzuführen, der in diesem Ort den bekannten Gaucho-Roman Don Segundo Sombra geschrieben hat. In den malerischen Strassen und Plätzen befinden sich zahlreichen Kunsthandwerker für Leder-, Textilien- und Silberschmuckarbeiten. Anscheinend gehören auch die vielen frei lebenden Hunde dazu. Wir erholten uns vom Lärm in der Metropole und planten in der warmen Herbstsonne im ruhigen Camping am Rio de Areco die Weiterreise nach Uruguay.